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18 September 2018IDM

Häuser aus Holz, um die Umwelt zu schonen und besser zu leben

Ob Hotel, Wohnhaus oder Kita: Das Südtiroler Unternehmen Holzius verbindet mit seinen einzigartigen Vollholzhäusern Handwerkstradition mit Innovationskraft und Nachhaltigkeit. Und auch die Faktoren Gesundheit und Wohlbefinden kommen nicht zur kurz

Wälder sind ein außergewöhnlicher Reichtum, den Österreich, Deutschland und Südtirol gemeinsam haben. Ein grünes Becken, voller Reinheit und unglaublicher Eigenschaften. Die wiederum münzt der Vinschger Unternehmer Herbert Niederfriniger, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Holzius, in Wohnqualität um. In Häuser, die aus nichts anderem als aus Holz bestehen, ohne Leime oder Metallstützen, aus nur einem Rohstoff gefertigt, der aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern des Alpenraums stammt. Und wohl nicht zufällig stoßen die Häuser von Holzius nicht nur in Südtirol, sondern insbesondere in Österreich und Deutschland auf rege Nachfrage, selbst beim Bau von Kindergärten, Schulen oder Mehrfamilienhäusern. Im Bewusstsein, dass Innovation nicht immer heißen muss, etwas Neues zu erfinden, sondern es manchmal ausreichen kann, alte Traditionen aufzugreifen und sie an unsere heutige Zeit anzupassen. So wie es Niederfriniger gemacht hat: „Ich habe mich einfach von etwas inspirieren lassen, das mich Zeit meines Lebens umgeben hat: der Natur. Ich habe ihre Energie aufgenommen und daraus Neues geschöpft“, erzählt er. Triebkraft dafür war ursprünglich ein starker persönlicher Wunsch: ein Haus für seine Familie zu bauen. Doch eben kein Haus wie jedes andere, sondern ein gesundes und naturnahes Gebäude, ohne Leime und Nägel. So wie die alten Bauernhöfe auf den Hängen des Vinschgaus, wo Niederfriniger groß geworden ist, wo die Tannen- und Lärchenwälder sein Zuhause waren, in dem er zuerst gemeinsam mit seinem Vater, einem Bauern, unterwegs war, und später allein, als Tischler und Leiter der Forststation in Prad am Stilfserjoch. „Ich bin mit Bäumen aufgewachsen“, sagt Niederfriniger. „Ich habe früh gelernt, ihre Beschaffenheit zu erkennen und ihre Qualitäten zu schätzen. Und ich habe verstanden, wie man Nachteile zu Vorteilen wandeln kann, indem man ein einfaches Wort an vorderste Stelle setzt: das Wohlbefinden.“ 

(Foto: René Riller)

Ein einzigartiges, patentiertes System dank Gratleiste mit Kanten in Schwalbenschwanzform

Nachdem Herbert Niederfriniger auf dem Markt kein Produkt fand, das seine Ansprüche erfüllen konnte, beschloss er im Jahr 2005 selbst ein Haus zu bauen – und legte damit auch den Grundstein für Holzius. An seiner Seite, sein Tischler- und Holztechnikerkollege Armin Strickner, der von Beginn an sein Geschäftspartner war, sowie die Experten des TIS, ein mittlerweile im NOI Techpark angesiedeltes Gründerzentrum für Südtiroler Unternehmen, das nun sein 20-jähriges Jubiläum feiert und Niederfriniger auf dem Weg in das bislang weitgehend unbekannte Terrain des Unternehmerseins Orientierung gab. Nach Machbarkeitsstudien, Projektierungen, Finanzplänen, Treffen mit Investoren dann schließlich der entscheidende Durchbruch: ein europäisches Patent für sein System. Eine einzigartige Bautechnik, deren Herzstück eine Gratleiste mit Kanten in Schwalbenschwanzform ist. Beim Bau von Türen und Tischen war dieses Prinzip auch in der Vergangenheit genutzt worden, für Wände, Decken und Dächer dagegen noch nie. „Die Bohlen und Balken werden durch dieses Verzahnungssystem auf ganz natürliche Weise stabilisiert, das sie gänzlich ohne Leim- und Metallverbindung fixiert und somit Stabilität aber auch die natürliche Entfaltung des Holzes garantiert”, erklärt der Unternehmer. Ein Baum benötige viele Jahre, um in die Höhe zu wachsen, sagt er. „Unser System belässt diese natürliche Ordnung und verbaut das Holz in seiner ursprünglichen Wuchsrichtung, um damit seine Qualitäten so weit wie möglich zu erhalten.” Ein Ansatz, der auch eines der wichtigsten Holzbauunternehmen Europas überzeugte: die Südtiroler Unternehmensgruppe Rubner, die in Niederfrinigers Firma investierte und sie zum Teil ihres Holzbauimperium machte. 

„Umweltschutz funktioniert nur, wenn im Team gespielt wird“

Doch warum soll ein Haus überhaupt ausschließlich aus Holz gefertigt werden? Allen voran, um eine Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Denn wir werden keine Zukunft haben, wenn wir nicht sparsam mit Rohstoffen und Energie umgehen. Das Holz, das bei Holzius zum Einsatz kommt – sogenanntes Kernholz von Fichte, Weißtanne, Lärche und Kiefer – kommt ausschließlich aus dem Alpenraum und wird nur in Wäldern geschlägert, die PEFC-zertifiziert sind (Paneuropean Forest Certification), also völlig nachhaltig arbeiten. Auch bei der Wahl der Sägewerke achtet man bei Holzius auf die Einhaltung solcher Parameter. Die dahinterstehende Überzeugung? Umweltschutz funktioniert nur, wenn im Team gespielt wird. Das zeigt sich bei Holzius auch daran, dass im Unternehmen auch die Holzabfälle zu 100% verwertet werden. Die Holzspäne, die bei der Verarbeitung des Holzes entstehen, werden im Tausch gegen Wärme an die Energie-Werk-Prad Genossenschaft abgegeben. Und der Kreislauf kann wieder von neuem beginnen. 

Klimafreundliches Baumaterial 

„Um die Natur zu respektieren und ihre wertvollen Rohstoffe zu schützen, müssen wir unser tägliches Handeln überdenken”, erklärt Niederfriniger. Wenn von Emissionen die Rede sei, könne man sich nicht nur auf die Abgase von Fahrzeugen beschränken: „Dann sollten wir beispielsweise auch den Kohlendioxidausstoß miteinrechnen, der bei der Erzeugung von Materialien wie Aluminium oder Beton entsteht.” Allein die Produktion von 1.000 Kilogramm Aluminium verursacht laut dem Unternehmer mindestens 13.000 Kilogramm CO2 ; bei der selben Menge an Beton seien es immer noch 1540 Kilogramm an zusätzlichem Treibhausgas. Und was ist mit Holz? „Hier entzieht man der Atmosphäre sogar 1.500 Kilogramm, weil Holz COwährend des gesamten Wachstumsprozesses in seinem Inneren absorbiert.”

 

Durch das Holz entsteht ein Mikroklima, das sich positiv auf das Wohlbefinden auswirkt

Ähnlich argumentiert Herbert Niederfriniger auch bei den Polystyrol-Dämmungen, die im Wohnbau eingesetzt werden. „Was werden wir damit in 50 Jahren machen”, fragt er provokativ. Auch deshalb hat der Unternehmer sich dafür entscheiden, nur Fasern aus Holz, Kork oder Hanf zur Verkleidung seiner Häuser zu verwenden. Diese können je nach Geschmack mit purem Holz verkleidet oder auch mit Ton oder Kalk verputzt werden. Natürliche Materialien also, die das Holz im Gegensatz zu den üblichen Lacken immer noch mit all seinen Eigenschaften zur Geltung kommen lassen. Zum Beispiel seiner natürlichen Regulierung der Luftfeuchtigkeit. Diese gehört neben der Luft, der Temperatur und dem Elektrosmog zu den wichtigsten Gesundheitsindikatoren eines Hauses – und Holzius erreicht bei jedem von ihnen Topwerte. So entsteht ein Mikroklima, das nicht nur positiv auf das Wohlbefinden des Einzelnen, sondern auch auf die sozialen Beziehungen wirkt. Nicht behandeltes Vollholz ist ein schlechter Wärmeleiter und kann außerdem die Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit regulieren ohne sich elektrostatisch aufzuladen. Darüber hinaus kann es Wärme weit besser speichern als andere Materialien und gleichzeitig Kälte abhalten. Ein Beispiel? Setzen wir uns im Hochsommer unter praller Sonne lieber auf einen Stein oder auf eine Holzbank? Oder wie würde dieselbe Wahl im Winter ausfallen? In beiden Situationen würden wir wohl ohne Zögern das Holz bevorzugen. 

Aber damit nicht genug, denn es geht um ein umfassendes Wohlbefinden. Auch unser Herz verlangsamt sich, wenn wir von Holz umgeben sind. Der Blutdruck beruhigt sich, Stress wird abgebaut, ja sogar Entzündungen gehen zurück. All diese Wirkungen sind von zahlreichen Studien belegt. Eine außergewöhnlich beruhigende Kraft hat der warme Duft der Zirbe. Und was gäbe es noch alles über die Fichte zu sagen, das Lieblingsholz der Lautenbauer? Oder über Lärche und Kiefer, die für ihre Widerstandsfähigkeit geschätzt werden? Oder über die Weißtanne, die seit den Germanen als Symbol für die Lebenskraft gilt? 

Referenz für Innovation im Holzbau

Gerade Deutschland zählt zu jenen Märkten, in denen die Häuser von Holzius besonders gut ankommen. „In Stuttgart verwirklichen wir gerade ein vierstöckiges Mehrfamilienhaus, dessen Wände und Decken nur aus Holz bestehen”, erzählt Herbert Niederfriniger. Dasselbe geschehe in Potsdam, mit vielen anderen deutschen Städten sei das Unternehmen in Verhandlung, um Kindergärten und Schulen nach seinem System zu bauen. Sehr aktiv ist Holzius laut seinem Geschäftsführer in Österreich und natürlich auch in Südtirol. Hier, im Vinschgau gilt es mittlerweile als Referenz für Innovation im Holzbau. Das spiegelt sich auch in einem kontinuierlichen Wachstum wider. Allein in den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Beschäftigten von 24 auf 37 gestiegen, fünf davon sind Experten für Baubiologie. Und die Zeichen stehen weiterhin auf Expansion. „Wir haben vor, unseren Firmensitz und unsere Produktionsstätte zu erweitern und suchen weiterhin Personal für das Rechnungswesen sowie Ingenieure und Holztechniker ”, verrät Niederfriniger. Selbst wenn das Potenzial von Holzius das Unternehmen noch weit bringen mag – seine Wurzeln werden immer in Südtirol bleiben, versichert er. „Unser Land ist einfach für die Arbeit mit Holz geschaffen. Nicht nur, weil ihre Fläche zu 44% mit Holz bedeckt ist, mit vier Mal so viel Nadelholz wie Laubbäumen”, sagt der Holzius-Geschäftsführer. In Südtirol gäbe es auch bis zu 500 Jahre alte Vollholzhäuser, die all die Zeit ohne jeglichen Schutz überlebt hätten. „Das handwerkliche Know-how, das man hier im Holzbau findet, ist unschlagbar”, schwärmt Herbert Niederfriniger. „Denn die Menschen können perfekt mit diesem Rohstoff umgehen und haben Lust zu arbeiten. Und das ist für einen Unternehmer ausschlaggebend.”

Fact Sheet

Als Bergbauernsohn vom Vinschger Sonnenberg lernte Herbert Niederfriniger zuerst den Beruf des Tischlers und besuchte die Holztechnikerschule, bevor er Förster wurde. Die Verbundenheit mit seiner Heimat und die Vision eines möglichst naturnahen Hauses führen ihn schließlich zum Wagnis der Unternehmensgründung. Heute beschäftigt sein Unternehmen Holzius, in dem in sorgfältiger Handwerksmanier qualitativ hochwertige Vollholzhäuser entstehen, 37 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 5,5 Millionen Euro. Pro Jahr werden im Produktionsgebäude in Prad am Stilfserjoch 6000 Kubikmeter Holz verarbeitet und rund 69 Häuser hergestellt – mit individuellem Zuschnitt, der die spezifischen Bedürfnisse jedes Kunden berücksichtigt. Durch die Kombination der einzelnen Vollholzelemente in verschiedensten Formen mit anderen Strukturen können Anfragen aller Art befriedigt werden. Um die Bohlen für ein Haus zu produzieren, wird ungefähr eine Woche Arbeitszeit benötigt. Die Kosten für ein Holzius-Haus liegen im Schnitt um 10% über jenen herkömmlicher Häuser; im Gegenzug steht ein Mehrwert in Sachen Umwelt und persönliches Wohlbefinden. 

Ökologie

Holzius ist bei seinem Produktionsprozess vollkommen energieautark, da das Unternehmen den Energiekonsum auf ein Minimum heruntergeschraubt hat. Das Holz stammt ausschließlich aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Ein Kubikmeter Fichtenholz wiegt in etwa 500 Kilogramm, die Hälfte davon besteht aus Kohlenstoff. Das heißt, dass mit solch einer Menge etwa eine Tonne CO2 absorbiert wurde. Ein Vollholzhaus ist somit ein CO2-Reservoir, das die Belastung der Atmosphäre mit dem Treibhausgas reduziert. Das geschlägerte Holz macht im Wald wieder Platz für neue Bäume, die zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Wie viel Kohlendioxid der Atmosphäre ganz konkret durch ein Vollholzhaus von Holzius entzogen wird - man spricht diesbezüglich auch von Kohlenstoffbindung -  kann mit dem System https://www.co2-bank.de berechnet werden.