Green

22 Oktober 2018IDM

PONTI für eine grünere Zukunft: Technologie im Dienste der Energieeffizienz

Im Fokus der vierten Ausgabe von PONTI, der Business Development Plattform organisiert von IDM Südtirol, stand die Zusammenarbeit von Unternehmen aus Italien, Deutschland und Österreich zur Verbesserung der Energieeffizienz in der Produktion. Im NOI Techpark– der ersten Energie-Community im Land – wird vorgeführt, wie intelligenter Energiekonsum im 21. Jahrhundert aussehen kann

Auf der einen Seite Kofler Energies, einer der wichtigsten deutschen Energiedienstleister: In Deutschland hat das Unternehmen zehn Niederlassungen, die Zentrale steht in Berlin. Auf der anderen Seite Syneco, ein Südtiroler Unternehmen, das Lösungen und Beratung im Bereich Energieeffizienz für Firmen und öffentlichen Einrichtungen anbietet. Zwei Unternehmen, ein Expansionsprojekt auf dem italienischen Markt. Dafür hat Kofler sogar eine Filiale im innovativen Herzen Südtirols, dem NOI Techpark in Bozen, eingerichtet. Und wann wurde das gemeinsame Projekt „geboren“? 2016 in Meran bei der dritten Ausgabe von PONTI. 

„Es war uns sehr wichtig, unsere italienische Zentrale im NOI Techpark zu eröffnen“, erklärt Nikolaus Widmann, Geschäftsführer von Kofler Energies Italia. „Hier können wir in einem Umfeld arbeiten, in dem großes Know-how in den Bereichen Energie und Innovation aufgebaut wurde, und das unseren Geist des Arbeitens widerspiegelt: dynamisch und innovativ. Wir stehen hier in Kontakt mit anderen innovativen Unternehmen der Branche, Start-ups und Forschungszentren. Italien ist für uns als Markt für Energiedienstleistungen sehr interessant, und Südtirol ist für uns ein strategischer Ort, weil es eine Brücke zwischen Nord- und Südeuropa ist.“ Ein „ponte“ – Italienisch für Brücke – also. 

PONTI, die Plattform der Begegnung für Unternehmer und Branchenexperten, deren vierte Ausgabe Anfang Oktober 2018 im NOI Techpark in Bozen, der Landeshauptstadt Südtirols, stattgefunden hat, ist in diesem Kontext ein gelungenes Beispiel. Denn „ponti“ wurden in diesem Fall nicht nur metaphorisch errichtet, sondern sind unter den von IDM Südtirol eingeladenen Unternehmen tatsächlich entstanden. Der Einladung sind vor allem italienische Unternehmen gefolgt, angeführt von den „Gastgebern“ aus Südtirol, die auf österreichische und deutsche Firmen getroffen sind, die in ähnlichen Bereichen tätig sind, – anders gesagt: aus jenen Regionen, die in ihrer DNA den Respekt und die korrekte Nutzung von Energieressourcen festgeschrieben haben.

Foto: Malou Reedorf

Südtirol, Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien

Um die diesbezügliche Südtiroler Realität, in der diese Veranstaltung zum Thema nachhaltige Energie stattfand, zu beschreiben, reichen einige wenige Daten aus. Zum Beispiel die Nachhaltigkeitspolitik im Land, durch die der Deckungsgrad des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen auf 61,4 Prozent erhöht wurde – der italienweite Durchschnitt liegt bei 17,1 Prozent, der österreichische bei 31,4 Prozent. Südtirol liegt bei der Nutzung von Wasserkraft und Biomasse im Spitzenfeld, wobei beispielsweise Holz zunehmend als saubere Energiequelle zum Heizen von Wohnraum genutzt wird. Wichtige Investitionen getätigt wurden auch ins Sharing und in alles, was eine zunehmend nachhaltige Mobilität und damit Lebensweise ermöglichen kann. 

Der Weg Südtirols ist vorgezeichnet, nun muss er noch weitergegangen werden: Dabei gilt es die Ziele umzusetzen, die im „Klimaplan Energie – Südtirol 2050“ festgelegt sind. Das heißt, die CO²-Emissionen pro Kopf auf weniger als 1,5 Tonnen pro Jahr zu beschränken und dadurch 90 Prozent des Bedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken. Ambitionierte, aber erreichbare Ziele.

Vom Verbraucher zum Prosumenten: die Smart Energy Community im NOI

Ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Energiebereich findet sich passenderweise auch im Technologiepark in Bozen Süd selbst. Dort ist seit einigen Monaten die erste sogenannte Energie-Community im Land aktiv. In solchen Communities schließen sich mehrere Konsumenten zusammen, um ihre selbst erzeugte Energie auszutauschen und den gemeinsamen Energieverbrauch zu optimieren. 

Es handelt sich bei dem Projekt im NOI um ein gemeinsames von Alperia, drittgrößter italienischer Produzent von erneuerbarer Energie mit Hauptsitz in Bozen, und dem italienischen Start-up Realgrid Europe, das im Bereich Digital Energy mit innovativen Dienstleistungen für Private, Unternehmen und Produzenten- sowie Konsumentenzusammenschlüssen für Energie führend ist. Die beiden Firmen haben eine Rahmenvereinbarung zur Zusammenarbeit geschlossen, die auf der Schaffung einer Smart Energy Community basiert, die es dem Konsumenten ermöglicht, sich weiterzuentwickeln und zum Prosumer zu werden. Prosumer – eingedeutscht auch Prosumenten – sind Verbraucher, die nicht nur bewusst und intelligent konsumierensondern in der Regel zugleich Produzenten sind.

Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts von Alperia und Realgrid Europe wird den Prosumenten  eine von Realgrid entwickelte und patentierte Plattform zur Verfügung gestellt, die eine Verbindung der Prosumer untereinander erlaubt und ihnen erweiterte Funktionen zur Überwachung, Optimierung und Echtzeitverwaltung der selbst produzierten und verbrauchten Energie bietet. 

Ähnliches wurde bereits in Nordeuropa umgesetzt, in Schweden, Deutschland, Dänemark, Großbritannien und Frankreich. In Italien jedoch gilt es erst noch, das diesbezügliche Potenzial zu erkunden, das aber beachtlich sein dürfte: Einer Simulation von The European House – Ambrosetti zufolge, die von Daten der Technischen Hochschule von Mailand ausgeht, besteht im Staatsgebiet ein theoretisches Potenzial von fast 500.000 Energiegemeinschaften. Das Land könnte demnach die CO²-Emissionen um 3,6 bis elf Millionen Tonnen jährlich verringern, und dadurch zugleich Einsparungen zwischen zwei und sechs Milliarden Euro pro Jahr erzielen und einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Energieeinsparziele leisten.

Foto: Malou Reedorf

Digitale Technologien im Bereich der Energieeffizienz

Von der Anwendung von Sensoren, die Daten für das Monitoring von Fertigungsprozessen sammeln, bis zu Speichermöglichkeiten für Elektroenergie: Digitalisierung trägt auf vielfältige Art und Weise dazu bei, die Energieeffizienz in Fertigungsprozessen zu steigern. Wollen Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, sollten sie die Vorteile kennen, die ihnen die Digitalisierung in einem so wichtigen Bereich wie der Energieeffizienz bietet. „Dieser Aspekt hat auf den ökologischen Fußabdruck und die Produktionskosten enormen Einfluss – nicht nur bei großen Unternehmen, sondern auch bei kleinen und mittelgroßen Betrieben. Diesem Thema widmete sich deshalb auch die vierte Edition der Fachtagung PONTI, die Südtirol als Maßstab für Forschung & Entwicklung im Energiesektor präsentiert, eine der Schlüsselbranchen unseres Landes“, sagt Hubert Hofer, Leiter der Abteilung Development von IDM. 

Ein großer Teil der Veranstaltung drehte sich um digitale Technologien, von ihrer Nutzung – Corinna Kammerer von Fujitsu Deutschland berichtete etwa, dass Mitarbeiter eines Unternehmens eine entscheidende Rolle bei der Energieeffizienz einnehmen – bis hin zum Wandel, den diese Technologien mit sich bringen. „Wie verändert sich das Ressourcenmanagement, insbesondere jenes von Energie, durch die Entwicklung der Industrie 4.0, des Internet of Things, von allem, was mit ICT zu tun hat? Das Pariser Klimaabkommen erlaubt es, die Antwort auf diese Frage anzugehen“, sagt Dario Di Santo, Geschäftsführer von der FIRE (Federazione italiana per l’uso razionale dell’energia, im Deutschen in etwa „Italienischer Verband für die rationelle Nutzung von Energie“). „Zu diesem und anderen Themen haben wir uns bei PONTI ausgetauscht und dabei versucht, einige wesentliche Punkte hervorzuheben. Vor allem die Nachhaltigkeit, von der unser aller Zukunft abhängt. Diese Notwendigkeit beinhaltet den vollständigen Wandel in der Art und Weise, wie wir produzieren, Produkte und Dienstleistungen konzipieren, mit der daraus resultierenden Erfordernis einer internen Revolution in den Unternehmen.“ Aber worauf basiert die Veränderung? „Auf der Entwicklung neuer Fähigkeiten“, so das Fazit Di Santos, „auf der Schaffung von Communities und der Fähigkeit, alle Abteilungen eines Unternehmens in die Entwicklung des Business einzubeziehen. Grundlegend wird der Einsatz neuer Technologien sein: künstliche Intelligenz, Robotik, deep learning. Wir gehen vielen Änderungen entgegen, aber das Ergebnis wird für alle nützlich sein.“ 

Neben der im Laufe von PONTI aufgezeigten Szenarien war erneut auch der Aufbau der Veranstaltung selbst von großer Bedeutung – im Mittelpunkt standen nämlich wieder der Austausch und das Treffen. Das Unterstützen von Netzwerken und Kooperationen zwischen Unternehmen aus den teilnehmenden Ländern ist Teil des Konzepts von PONTI; das Event kombiniert eine Fachtagung mit Business-to-Business-Meetings, die dieses Jahr von den Europäischen Projekten Enterprise Europe Network und EFRE greenKIS unterstützt wurden. Die Teilnehmer treffen dabei in Einzelgesprächen auf andere Technologieproduzenten, Dienstleister, Investoren und große Energieverbraucher. „Auf diese Weise geben wir den Südtiroler Unternehmen eine konkrete und direkte Möglichkeit, mit potenziellen Technologie- oder Geschäftspartnern in Kontakt zu kommen“, erklären Stefano Dal Savio und Petra Seppi, die Verantwortlichen des Ecosystems Energy & Environment bzw. des Bereichs Business Location von IDM, die das Event organisiert haben.

Und die Brücken, die geschaffen werden, verbinden die Energie-Akteure unterschiedlicher Herkunft, aber mit einem gemeinsamen Nenner bzw. Ziel: die Ressourcen, die es auf der Erde gibt, optimal zu nutzen. Denn es gibt zwar viele, sie sind aber nicht unerschöpflich.

Fact Sheet

PONTI 2018 war die 4. Ausgabe der Business Development Plattform für Unternehmen im Energiesektor aus Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die diesjährige Ausgabe stand unter dem Motto „Energieeffizienz in der Produktion 4.0. Wie kann man die Energieeffizienz beschleunigen und das Ressourcenmanagement mit Hilfe digitaler Technologien optimieren?“.

Während der Vorträge und Unternehmenspräsentationen erfuhren die Teilnehmer: welche Anwendungen der Industrie 4.0 sich auf den Energiesektor und insbesondere auf den Bereich Energieeffizienz übertragen lassen; die aktuellen Trends und Entwicklungen des italienischen Energiesektors; welche Fördermöglichkeiten Italien und Südtirol für Digitalisierungsmaßnahmen im Energiebereich anbieten; Best-Practice-Beispiele von smarten Energieanwendungen. An den beiden Veranstaltungstagen fanden Matching Sessions für B2B Meetings statt, die über die PONTI Matching Plattform vorab vereinbart werden konnten.