Forschung

17 Oktober 2018IDM

Netzwerk, Forschung, Beratung: NOI Techpark, ein erfolgreiches Jahr

Der Technologiepark in Bozen hat die Herausforderung gemeistert: Ganze 25.000 Besucher wurden seit Oktober 2017 gezählt. Das erste Erweiterungsmodul durch private Bauträger steht bereits an

Wo einst eine alte Aluminiumfabrik stand, gibt es jetzt eine neue Ideenschmiede: Der Nature of Innovation Park, der futuristische Technologiepark, der in Bozen Süd auf dem Areal des ehemaligen Alumix-Werkes errichtet wurde, feiert seinen ersten Geburtstag und kann bereits auf gar manchen Erfolg zurückblicken. Mit 60 Start-ups und inkubierten Technologieunternehmen, fünf Forschungsinstituten (Eurac ResearchVersuchszentrum LaimburgFraunhofer ItaliaKlimaHaus AgenturFreie Universität Bozen), 400 hochqualifizierten Mitarbeitern, einem Idea Space und einem Maker Space sowie 15 verschiedenen Sprachen ist der NOI Techpark heute ein wichtiges Zentrum für Unternehmen, Start-ups, Studenten und Forscher.

Ein Ort für Talente aus aller Welt

„Wir wollten einen Ort schaffen, an dem es für die Unternehmen einfacher ist, mit der Forschung in Kontakt zu treten“, sagt Ulrich Stofner, Direktor der BLS Business Location Südtirol, der die Errichtung des Technologieparks geleitet hat. „Es sollte ein Drehkreuz entstehen, das Start-ups wachsen lässt und junge Talente aus aller Welt fördert. Wir stehen am Anfang, und es gibt noch viel zu tun, aber die Zahlen zeigen, dass die eingeschlagene Richtung die richtige ist. Der NOI Techpark hat im ersten Jahr seines Bestehens sowohl regional als auch international großes Interesse geweckt. Er hat sich als innovations- und forschungsorientierter Standort profiliert, weil er Unternehmen, Forschern und Studenten ideale Rahmenbedingungen bietet, um ihre Projekte zu entwickeln.“ Stofner weist darauf hin, dass bereits im ersten Betriebsjahr rund 200 Führungen mit 5000 Besuchern, 300 Veranstaltungen und Seminare mit mehr als 15.000 Teilnehmern und 900 Beratungsgespräche mit Unternehmen im NOI Techpark stattgefunden haben, wobei allein am ersten Wochenende nach der Eröffnung 6500 Gäste gezählt wurden. Ein Zeichen dafür, dass das Interesse für die neue Einrichtung zwar von Wirtschaft und Forschung ausgeht, es mittlerweile aber auch die Südtiroler Gesellschaft erfasst hat – ganz im Sinner seiner Gründer, die mit dem NOI Techpark nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern einen Ort schaffen wollten, an dem man den Standort Südtirol und seine Besonderheiten erleben kann. Angefangen bei den vier Forschungsbereichen, auf die sich der Technologiepark spezialisiert hat – und zwar Alpine Technologies, Green Technologies, Food Technologies und ICT & Automation.

Foto: Giuma

Alpine Technologies, Green Technologies, Food Technologies und ICT & Automation

Und genau diese vier Technologiefelder werden das Wachstum des NOI Techparks auch in Zukunft beeinflussen. So haben die Bauarbeiten für das dritte Gebäude, das sogenannte D1-Gebäude, bereits begonnen. Hier werden weitere 23 Unternehmen einziehen, hier soll aber auch der „terraXcube“ von Eurac Research Platz finden. In diesem weltweit einzigartigen Labor lassen sich extreme Wetterbedingungen simulieren. Darüber hinaus sollen in der ersten Bauphase, die 2022 abgeschlossen sein wird, auch ein Kindergarten, das Institut für Biomedizin und die neue Fakultät für Ingenieurwissenschaften errichtet werden. 2021 werden aber auch die ersten Erweiterungsmodule von privaten Bauträgern in Angriff genommen: Das erste Grundstück umfasst eine Bruttogesamtfläche von rund 2370 Quadratmetern, auf dem Gebäude mit einem Gesamtvolumen von 24.245 Kubikmetern entstehen sollen. Auch sie werden für Forschung und Entwicklung bestimmt sein, sodass der Campus in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes noch weiter stärken und noch mehr internationale Spitzeneinrichtungen anlocken wird.

„The Factory of Research“

Dieser Anspruch wird auch im Buch „The Factory of Research“ (Electra Verlag) erklärt. Der Band erzählt die Entstehung des Technologieparks nach dem Projekt von CL&AA Claudio Lucchin & architetti associati in Bozen und dem Mailänder Büro von Chapman Taylor. Auf dem ehemaligen Alumix-Gelände gibt es heute 30 Labors und ein Forschungszentrum, die alle auf höchstem Niveau arbeiten. Offiziell eröffnet wurde der Technologiepark im Oktober 2017 von der damaligen Staatssekretärin im Ministerratspräsidium Maria Elena Boschi. Symbol des NOI ist der „Black Monolith“, der schwarze Monolith, in Anlehnung an Stanley Kubricks „2001, Odyssee im Weltall". Mit seinen dunklen Photovoltaik-Paneelen und Aluminiumschaumplatten ist das Gebäude ein zeitgenössisches Kunstwerk. Es ist aber auch eine Metapher für die Hominisation. Die leichte Neigung der Struktur erinnert an die Entwicklung des Menschen vom Schimpansen zum aufrecht gehenden Homo Sapiens. „Der NOI Techpark ist die Basis fundamentalen Wissens, ein Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Harmonie nebeneinander Platz finden“, so Architekt Claudio Lucchin. „Vor allem ist er aber ein Ort, an dem das Arbeiten im Mittelpunkt steht. Und Arbeit bedeutet Kultur. Deshalb bin ich besonders stolz auf dieses Projekt.“

In der Tat haben im NOI Unternehmen wie Huawei, Maccaferri, Grandi Salumifici Italiani und Leitner ihre Forschungszentren eingerichtet. Denn die Zukunft ist ein Projekt, das sich ständig weiterentwickelt. Eine Erkenntnis, die die Fotografin Alessandra Chemollo erfasst hat. Ihre 300 Bilder vom NOI Techpark sind auf dem Campus ausgestellt und dokumentieren das Vorher und Nachher der Einrichtung. „Ich habe sowohl während der Arbeiten als auch nach deren Abschluss so viel Zeit als möglich an diesem Ort verbracht, um ihn zu erfassen. Ich wollte seinen hohen Stellenwert zeigen, denn der NOI hat ja so viel zu sagen: Eine solche Struktur sollte ein Beispiel für viele andere Industriegebiete sein, in denen meist nur anonyme Lagerhäusern stehen“, sagte Alessandra Chemollo.

Bleibt nur noch, dem Technologiepark „Happy Birthday“ zu wünschen: „Das Beste kommt erst noch,“ wie Direktor Ulrich Stofner verrät.

Fact Sheet

GESCHICHTE

Die NOI Techpark in Bozen wurde im Oktober 2017 dort eröffnet, wo einst das Montecatini-Werk stand. Der größte italienische Aluminiumhersteller war seit 1936 in Bozen Süd angesiedelt. In den 1990er Jahren begann der Niedergang des Unternehmens, der zur Schließung führte und so den Weg für eine Neuausrichtung des gesamten Areals ebnete. Mit der Gründung des NOI Techparks hat die Struktur tatsächlich ihre ursprüngliche, produktive Funktion wiedergefunden, die nunmehr auf Forschung und Innovation basiert.

PROJEKT

2008 wurde ein internationaler Wettbewerb zur Wiedergewinnung des ehemaligen Alumix-Geländes in Bozen ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt das Projekt von CL&AA Claudio Lucchin & architetti associati aus Bozen und dem Mailänder Büro von Chapman Taylor. Das Siegerprojekt ist auch Inhalt eines Buches, das den Renovierungsprozess der gesamten Anlage schildert. Im Rahmen der Sanierung wurden zum einen bestehende Flächen und Gebäude erhalten, zum anderen wurden neue geschaffen. So ist es gelungen, den ehemaligen Industriekomplex in ein ideales Umfeld für wissenschaftliche Arbeit zu verwandeln. Wobei der grünen Seele der Region durchaus Rechnung getragen wurde – insbesondere mit dem neuen „Black Monolith“, dem schwarzen Monolith. Die markanten Einschnitte an den Fassaden des Gebäudes ermöglichen es, die Sonneneinstrahlung ideal zu steuern. Im Winter wird Wärme gespeichert, im Sommer wird das Gebäude abgeschirmt. Früher verschlang der Industriebetrieb Unmengen an Energie. Heute steht im NOI der Verbrauch auf Null. Der Technologiepark entspricht den europäischen Parametern für Niedrigstenergiegebäude. Darüber hinaus hat der NOI sowohl die KlimaHaus Work & Life als auch die internationale LEED-Zertifizierung (Leadership in Energy and environmental Design) erhalten.

PLAYER

Die Player im NOI Techpark sind: EURAC Research, UniBz, Fraunhofer Italien, Versuchszentrum Laimburg, Agentur für Energie Südtirol - KlimaHaus, Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh), BLS und IDM Südtirol.

DIENSTLEISTUNGEN

Im NOI Techpark ist es dank des 9000 Quadratmeter großen Inkubators und des Idea Space möglich: schnell zu wachsen; Forschung zu betreiben; neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln; branchenübergreifend und mit innovativen Einrichtungen zu kooperieren; Flächen in bereits bestehenden Strukturen anzumieten oder eigene Bauvorhaben auf den frei verfügbaren Flächen zu realisieren.