Innovationen

8 Januar 2019IDM

Innovation im Fassadenbau: So entstand das Tool zur Analyse von Glasverkleidungen

Bei der dritten Auflage von FACE (Façades architecture construction engineering) nahmen 16 junge Experten aus sieben verschiedenen Ländern teil. Als Sieger ging das Projekt von Marco Benedetti hervor

Marco Benedetti ist der Sieger von Face 3, dem Trainingsangebot Façades architecture construction engineering. Der Kurs wurde bereits zum 3. Mal von IDM Südtirol – Alto Adige gemeinsam mit Eurac Research und der Universität Innsbruck sowie den Südtiroler Unternehmen Frener & Reifer und glassAdvisor und den Nordtiroler Betrieben Bartenbach und Hella koordiniert. Benedetti, Tragwerksplaner bei Maffeis Engineering mit Sitz in Solagna (Vicenza), hat das Publikum und die Fachjury mit seiner Projektarbeit überzeugt. Dabei handelt es sich um ein Tool für die statische Analyse von Glasverkleidungen. „Die Kreativität der Architekten lässt immer komplexere Formen entstehen, die nicht nur die Struktur, sondern auch die Verkleidung der Gebäude vor ständig neue Herausforderungen stellt, wie es heute viele Glasfassaden beweisen”, sagt Marco Benedetti. „Ohne das passende Werkzeug ist es für Designer allerdings schwierig, die Bedingungen für die Größenbestimmung zu bemessen. Mein Instrument geht nun genau in diese Richtung.” Wobei am Tool noch immer gearbeitet wird, um die Effizienz weiter zu steigern, die statischen Mindestanforderungen zu gewährleisten und die Kosten für die Bauunternehmen zu senken. Entwickelt wurde das Instrument im Rahmen von Face 3. „Die Teilnahme am Kurs war eine außergewöhnliche Erfahrung. Ich hatte die Gelegenheit, mich mit Fachleuten aus aller Welt zu konfrontieren und meine Kompetenzen auszubauen. Ein Weg, den ich jedem nur empfehlen kann”, so der Sieger. Er hat nun die Möglichkeit, an der internationalen Konferenz „The future envelope 12” teilzunehmen, die am 20. und 21. Mai 2019 im NOI Techpark in Bozen stattfinden wird.

Viele der Unterrichteinheiten fanden im NOI Techpark in Bozen statt

Ein Teil der Vorlesungen im Rahmen von Face 3 hat im Südtiroler Technologiepark stattgefunden. Und das ist kein Zufall. Kann das Land doch, wenn es um Fassadensysteme geht, ein großes Know-how vorweisen. „Hier sind Unternehmen angesiedelt, die einige der innovativsten Projekte weltweit realisiert haben”, erklärt Carlo Battisti, Kursleiter und Berater vom Ecosystem Construction von IDM.  „Hier gibt es aber auch Forschungseinrichtungen wie die Eurac, spezialisierte Subunternehmer und Talente auf höchstem Niveau. Dank Face 3 hatten sie die Möglichkeit, ihre Kompetenzen zu erweitern und die erworbenen Fähigkeiten direkt in den Betrieben einzubringen.” In diesem Zusammenhang erinnert Carlo Battisti daran, dass Face ein Teil von Facecamp ist. Dieses Interregprojekt strebt die Stärkung und eine nachhaltige Stabilisierung grenzüberschreitender Kooperationen zwischen Firmen und Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet moderner Fassadensysteme an, wobei der Fokus auf Energieeffizienz, Komfort und Gesundheit gelegt wird. Tatsächlich ist der Fassadenbau ein Bereich, der sich ständig erneuern muss.

16 Teilnehmer aus sieben verschiedenen Ländern

„Nach einer ersten lokalen und einer zweiten nationalen Auflage hat Face nun die italienischen Grenzen überschritten”, sagt Prof. Angelo Lucchini vom Polytechnikum in Mailand, der während des Kurses einige Trainingsmodule geleitet hat. „16 Fachleute, darunter Architekten und Ingenieure aus sieben verschiedenen Ländern haben sich am Angebot beteiligt, um das Thema Fassadenbau zu vertiefen. Der Ansatz war multidisziplinär und stark praxisorientiert, wobei sämtliche Aspekte – von der Konzeption bis zur Planung, von der Kalkulation bis zu Produktion, Installation und Wartung – vertieft wurden.” Neben den Vorlesungen stand für die Teilnehmer an Face 3 auch eine Studienfahrt nach Mailand auf dem Programm. Dort hatten sie die Gelegenheit, einige der derzeit innovativsten Fassaden genauer unter die Lupe zu nehmen. „Mailand ist die Stadt, die italienweit die Entwicklungen im Fassadenbau am deutlichsten zeigt.” Man denke zum Beispiel an den Bosco Verticale des Architekten Stefano Boeri, der bereits zum Maßstab für viele weitere Hochhäuser geworden ist. „Das Wohnen hat sich zunehmend in die Höhe verlagert, wobei Gebäude mit grünem Herzen oder komplexen und faszinierenden Glassystemen entstehen, die maximale Transparenz gewährleisten”, erklärt Paolo Rigone, Technischer Leiter von UNICMI und einer der Experten im Face 3-Team. „Der Kurs hat alle neuen Trends aufgezeigt und den Teilnehmern eine außergewöhnliche Weiterbildungsmöglichkeit geboten. Es wurde über BIM und dreidimensionale Gestaltung, über Energieeinsparung und internationale Zertifizierungen, über Licht- und Glasverkleidungen, Neuentwicklungen bestehender Gebäudesysteme, komplexe Geometrien, gebogene Fassaden und globale Märkte gesprochen – also über alle Herausforderungen, denen sich Architekten, Techniker, Ingenieure und Designer in den nächsten Jahre stellen müssen.”

«120 Unterrichtsstunden und sechs Monate Projektarbeit zwischen Bozen, Mailand und Innsbruck”

Alle Themen, die während des Kurses vertieft wurden, waren Gegenstand der Projektarbeit, die die Teilnehmer abschließend einer Fachjury unterbreitet haben. Ihre Entscheidung hat das Engagement der Studenten während des gesamten Kurses ebenso berücksichtigt wie die Qualität des Abschlussprojekts. Wobei ein besonderes Augenmerk auf den Innovationswert der Idee, auf die technischen Lösungen, auf deren Effektivität und das Marktpotenzial gelegt wurde. Von April bis November 2018 wurde an den Projekten gearbeitet, wobei die Teilnehmer von einem Tutor und, in einigen Fällen, auch von Unternehmen begleitet wurden. „120 Unterrichtsstunden und sechs Monate Projektarbeit zwischen Bozen, Mailand und Innsbruck – die Teilnehmer haben sich ordentlich ins Zeug gelegt“, sagt Carlo Battisti abschließend. „Dabei sind nicht nur die Teilnehmer professionell gewachsen. Auch für die beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen war der Kurs eine einmalige Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln. Auch und gerade deshalb werden wir das Angebot in diesem Jahr wiederholen. Und zwar mit dem Ziel, immer besser auf die Erfordernisse einer Branche zu reagieren, die sich im tiefgreifenden Wandel befindet, sodass kreative, kompetente und innovative Köpfe auch auf globaler Ebene immer besser mithalten können.”

Fact Sheet

Face 3 ist die dritte Auflage von Face. Der Kurs wurde von 16 Fachleuten besucht, darunter Architekten und Ingenieure aus Italien, Österreich, Schweden, Spanien, Dänemark, Slowenien und Jordanien. Ihre Namen: Jernej Markelj, Angelo Figliola, Audrius Lukosius, Alessandro Massarotto, Zuzana Prochazkova, Reinhard Trojer, Federico Dal Cin, Giulia Santoro, Aya Alayan, Matteo Giovanardi, Ornella Ferlito, Paolo Bonato, Giovanni Toniato, Jaap Aanhaanen und Marco Benedetti. Seine Abschlussarbeit mit dem Titel „One single model: structural glazing analysis for complex shape structures” wurde von der Fachjury am besten bewertet. Der Kurs wurde vollständig in englischer Sprache abgehalten und richtete sich an Unternehmen, Architekten, Ingenieure, Designer und Forschungszentren. 

Face 3 ist Teil des Interregprojektes Facecamp, das von der Europäischen Union finanziert wird. Ziel von Facecamp ist eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Italien und Österreich im Bereich moderner Fassadensysteme. Es stellt aber auch eine Weiterentwicklung der Fassadenarbeitsgruppe dar, die 2012 von Carlo Battisti initiiert und von IDM Südtirol – Alto Adige koordiniert wurde. Die Gruppe ist auch Teil des Europäischen Fassadennetzwerks (efn). Das Partnerschaftsabkommen wurde vor zwei Wochen in Luzern unter anderen von Universitäten und Forschungszentren von Delft, Bristol, Darmstadt, Luzern, Lissabon, Detmold, Odense und San Sebastian unterzeichnet.