Talente

6 November 2018IDM

Chiara: Von Ragusa nach Bozen, um saubere Energielösungen zu entwickeln

Ingenieurin, Läuferin, Sängerin und Forscherin bei Eurac Research: „Hier in Südtirol bin ich in ein internationales Netzwerk eingebunden. Mein größtes Privileg? Im Alltag bin ich nicht auf das Auto angewiesen“

Etwas für die Gesellschaft und zugleich etwas für die Umwelt zu tun: Das ist es, was Chiara Dipasquale schon seit ihrer Kindheit antreibt. Was im sizilianischen Ragusa aber noch ein Traum war, ist für Chiara in Bozen Wirklichkeit geworden.

Allerdings galt es, für die Erfüllung dieses Traums hart zu arbeiten. Das Gymnasium besucht Chiara noch in ihrer Heimatstadt, danach geht es an die Universität Catania, an der sie sich zur Bauingenieurin ausbilden lässt. Ihre Heimatinsel wird ihr spätestens während ihres PhD-Studiengangs zu klein, sie sucht nach neuen Möglichkeiten und Perspektiven. Weil Chiaras Interesse der Klimatisierung von Gebäuden mit Hilfe von Sonnenenergie gilt, landet sie auf Empfehlung eines ihrer Professoren in Bozen. Dort arbeitet an der Eurac ein ganzes Forschungsinstitut an innovativen Nutzungsformen erneuerbarer Energiequellen.

„Ich kann in Italien forschen und genieße die Freiheiten eines nach privatwirtschaftlichen Prinzipien geführten Instituts. Darüber hinaus bin ich in ein europäische Forschungsnetzwerk eingebunden“

2010 wird die Sizilianerin an die Eurac in Bozen berufen und mit einem Zwischenspiel 2012 in Kanada lebt sie seit damals in der Südtiroler Landeshauptstadt. „An der Eurac zu arbeiten, entspricht genau dem, was ich mir immer vorgestellt habe“, erklärt Chiara. „Ich kann in Italien forschen und obwohl dort meist die öffentlichen Forschungseinrichtungen das Sagen haben, genieße ich hier die Freiheiten eines nach privatwirtschaftlichen Prinzipien geführten Instituts“, so die Ingenieurin. Zudem sei die Eurac eng ins europäische Forschungsnetzwerk eingebunden, weshalb die internationale Atmosphäre stark spürbar sei.

„Meine Arbeit wirkt sich direkt auf die Lebensqualität der Menschen aus, weil die Vorteile für alle sofort spürbar sind“

Und auch Chiaras Kindheitstraum lebt hier wieder auf: „Ich forsche an innovativen Lösungen im Energiebereich“, erklärt sie, „und die haben positive Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt“. Dipasquale konzentriert sich dabei auf Energielösungen für Mehrfamilienhäuser, ein ganz besonderes Forschungsgebiet, das eine ganz besondere Genugtuung bereithält: „Meine Arbeit wirkt sich direkt auf die Lebensqualität der Menschen aus, weil die Vorteile für alle sofort spürbar sind“, freut sich Chiara.

Als Sizilianerin hat sie in Südtirol ein ganz anderes Lebensumfeld vorgefunden, nicht zuletzt, was die natürlichen Ressourcen betrifft. „Im Gegensatz zu Südtirol ist in Sizilien Wasser knapp und diese Knappheit hat mir immer schon die Grenzen natürlicher Ressourcen vor Augen geführt”, so Dipasquale, die deshalb von sich behauptet, diese Grenzen schon von klein auf erkannt, beobachtet und respektiert zu haben. Und noch eine zweite sizilianische Besonderheit spiegelt sich in Chiaras Forschungsinteresse wider: „Ich wollte immer schon wissen, wie man im Kampf gegen die Hitze in Sizilien auf erneuerbare Energiequellen setzen kann.“ 

„Im Alltag nicht auf das Auto angewiesen zu sein, ist ein Privileg, auf das ich nur schwer wieder verzichten könnte“

Auf diese Frage hat die Energieexpertin in ihrer Forschungsarbeit schon eine ganze Reihe von Antworten gefunden, auch wenn es Tag für Tag neue Herausforderungen anzugehen gilt. Jede Lösung ist allerdings ein Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit, ein Prinzip, das nicht nur in Chiaras Arbeit, sondern auch in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt. Und da kommen ihr ihr neuer Wohnsitz und dessen Sensibilität für ein Leben im Einklang mit der Natur durchaus entgegen, etwa in der Mobilität. Schließlich reicht in der Südtiroler Landeshauptstadt ein Fahrrad, um innerstädtisch mobil zu sein: „Im Alltag nicht auf das Auto angewiesen zu sein, ist ein Privileg, auf das ich nur schwer wieder verzichten könnte“, sagt Chiara. In Bozen hat sie zudem eine Leidenschaft für das Laufen entwickelt und misst sich gern bei einem der zahlreichen Stadt- und Dorfläufe in Südtirol mit anderen Läufern. „Im September starte ich mit ein paar Kollegen beim Neumarkter Firmenlauf“, erzählt Chiara. Die fünf Kilometer sind für die austrainierte Sizilianerin kein Problem, dazu kommt das Vergnügen, ein wenig Freizeit mit den Arbeitskollegen zu verbringen. „Mir gefällt das Laufen einfach“, sagt Chiara, „und ich laufe immer, wenn ich ein wenig Zeit dafür habe“.

„Wenn man lange an einem Ort lebt, dann gilt es, diesen Ort als Zuhause zu betrachten. Genau so habe ich es hier gehalten und Südtirol hat mir sehr viel zurückgegeben“

In der Freizeit ist es also der Sport im Freien, die Leidenschaft für die Natur und das Leben in den Bergen, die Chiara prägen. Und die Musik. „Ich spiele in einer Band, die wir im NOI Techpark in Bozen gegründet haben“, erzählt sie. Der Gründungsort ist nicht das einzige, was Band und Arbeit verbindet. Letztere spiegelt sich auch in den Texten der Band wider: „Sie handeln vom Leben und von der Nachhaltigkeit“, erzählt Chiara, die in der Band Gitarre spielt und singt. Geprobt wird regelmäßig, im Sommer auch auf den Talferwiesen. Ambitionen hat Chiara allerdings keine: „Uns macht das Musizieren einfach Spaß, wir nehmen uns nicht allzu ernst“, lacht sie.

Ingenieurin, Forscherin, Läuferin, Sängerin: Chiaras Leben hat viele Gesichter und darauf angesprochen, was denn das Geheimnis eines schönen und intensiven Lebens sei, antwortet sie: „Wenn man lange an einem Ort lebt, dann gilt es, diesen Ort als Zuhause zu betrachten“, sagt Chiara. Tue man dies, entwickle man eine starke Bindung zu Land und Leuten. „Und Land und Leute entwickeln eine starke Bindung zu dir“, erzählt sie uns. „Genau so habe ich es hier gehalten und Südtirol hat mir sehr viel zurückgegeben.“

Fact Sheet

Hier lebt Chiara

Bozen zieht dank seiner beiden unterschiedlichen Facetten – eine nordeuropäisch geprägt, die andere eher mediterran – Gäste aus aller Herren Länder in seinen Bann. Die beiden Gesichter dieser Stadt gehen hier eine perfekte Verbindung ein, die in den kunsthistorisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten bestens zum Ausdruck kommt.

Jahrhundertelang war Bozen ein wichtiges Handelszentrum zwischen Italien und Deutschland.

Heute ist Südtirols Hauptstadt eine Weltstadt, die sich gleichzeitig lebendig, fröhlich, weltoffen, modern und traditionsverbunden zu zeigen weiß.

Bozen bietet ein ausgewogenes Stadtbild aus Wohn- und Grünflächen. Auf einer Vielzahl von Wegen lassen sich in Zentrumsnähe schöne Spaziergänge unternehmen und gleichzeitig können ambitioniertere Wanderer auch mit einer der drei Bergbahnen auf die rings um die Stadt gelegenen Hochebenen fahren. Die Naturkulisse ist hier einzigartig.

Hier arbeitet Chiara

Eurac Research entstand 1992 als privatrechtlicher Verein mit nur zwölf Mitarbeitern, die in den Bereichen Sprache und Recht, Minderheiten und Autonomien sowie alpine Umwelt forschten. Nach und nach weitete das Zentrum seine Tätigkeit auf neue Bereiche aus, zog Forscher aus der ganzen Welt an, eröffnete neue Strukturen. Heute forschen hier fast 400 Wissenschaftler aus über 25 Ländern.