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29 Oktober 2018IDM

Happy Birthday: Südtirols Business Incubator wurde 20

Gründer begleiten und unterstützen, Grundsteine legen und den Weg für unternehmerischen Erfolg ebnen: Damit hat das Gründerzentrum BIC in Bozen 1998 begonnen. Inzwischen hat es sich auch selbst weiterentwickelt und gibt als Business Incubator im NOI Techpark Wissen, Erfahrung und Kompetenz weiter

Es war im Jahr 1998: Facebook existierte noch nicht, genauso wenig YouTube, Google öffnete seine Türen im Menlo Park. Von da an war nichts mehr so, wie früher. Und zur selben Zeit, einige Zeitzonen weiter östlich, entstand im Herzen der Dolomiten, in Bozen, wo der Norden auf den Süden Europas trifft, eine neue Einrichtung: das Business Innovation Centre Südtirol, kurz BIC, ein Gründerzentrum für die Entwicklung neuer Unternehmen. Aus diesem Gründerzentrum heraus entstanden zahlreiche Firmen – 137, um genau zu sein, wurden in den vergangenen 20 Jahren begleitet, 85 Prozent davon sind noch immer erfolgreich auf dem Markt tätig.

Einige Jahre nach der Gründung wurde aus dem BIC der TIS und später schließlich der Business Incubator im NOI Techpark. Ein Weg des stetigen Wachstums und der Weiterentwicklung, den Unternehmer, die bei der Gründung des Inkubators dabei waren und noch immer Unternehmer sind, bestätigen können. 

„Heute haben wir 48 Mitarbeiter in Italien und, gemeinsam mit unserem Werk in Österreich, 87“

„Wir sind 20 Jahre alt – und damit genauso alt wie das Gründerzentrum. Ich erinnere mich noch genau an die Anfangszeit, die so anregend und spannend war. Wir waren wie eine große Familie, in der alle daran arbeiteten, die Basis für ihre Zukunft zu legen. Und dabei standen wir immer im regen Austausch miteinander. Wir haben zu zweit begonnen, heute haben wir 48 Mitarbeiter in Italien und, gemeinsam mit unserem Werk in Österreich, 87; wir setzen 30 Millionen Euro pro Jahr um, wachsen jährlich um fünf Prozent, und an unsere Tür klopfen die wichtigsten Automobilhersteller der Welt“, sagt Gerhard Tratter, Gründer von Tratter Engineering. Das Unternehmen hat sich auf die Verarbeitung von Kunststoffen, im Besonderen aber auf Automotive-Lösungen, spezialisiert, und beliefert damit indirekt Konzerne wie BMW, Audi, McLaren, Seat, Honda, Toyota, Volkswagen, Mercedes und Rolls Royce. 

Tratter Headquarter

„Im Gründerzentrum konnten wir von den Erfahrungen anderer Start-ups lernen und dadurch Fehler vermeiden“

1998 war auch Norbert Klammsteiner, Seniorpartner und gemeinsam mit Georg Felderer Gründer von Energytech, im damaligen BIC angesiedelt. Dank der Unterstützung des Gründerzentrums gründeten die beiden — in einer Zeit in der Energieeffizienz ein Thema war, über das nur wenige sprachen — ein Büro, das sich um Energieplanung und Optimierung von Anlagen für private und öffentliche Auftraggeber kümmert und das es bis heute gibt. „Wir hatten eine Vision und das BIC hat uns geholfen, diese in ein konkretes Projekt umzuwandeln“, erklärt Klammsteiner. „Wir hatten großen Tatendrang, Lust zu schaffen. Im Inkubator zu arbeiten, war dabei inspirierend und produktiv; die Feste, die wir gefeiert haben, sind legendär. In dieser Zeit haben wir den Grundstein für das gelegt, was wir heute sind. Wir sind zu dritt gestartet: ich, mein Partner und ein Mitarbeiter, der übrigens bis heute bei uns arbeitet, mittlerweile sind wir zu 19. – und suchen ständig nach neuen Talenten.“ 

2005, einige Jahre nach Tratter Engineering und Energytech wurde Holzius gegründet, ein Unternehmen, das mit seinen einzigartigen Vollholzhäusern Handwerkstradition mit Innovationskraft und Nachhaltigkeit verbindet. Inzwischen arbeiten 37 Mitarbeiter am Firmensitz in Prad am Stilfserjoch im Vinschgau und erwirtschaften einem Umsatz von 5,5 Millionen Euro pro Jahr. „Es war äußerst wichtig für uns, im Gründerzentrum aufgenommen zu werden, wo wir von den Erfahrungen anderer Start-ups lernen konnten. Dadurch haben wir Fehler vermieden, die wir höchstwahrscheinlich ohne Anleitung gemacht hätten. Vor allem aber haben wir uns im Inkubator ein Netzwerk aufgebaut“, sagt Herbert Niederfriniger, Gründer und CEO von Holzius. 

„Die Financial Times hat uns in ihrem Ranking der 1.000 europäischen Unternehmen mit den höchsten Wachstumsraten gelistet“

 Dieser Inkubator hat sich im Laufe der Jahre immer stärker zu einem Bezugspunkt für die Entwicklung der Wirtschaft in Südtirol und darüber hinaus entwickelt. 2006 war ein Wendejahr: Aus dem BIC wurde TIS, Techno Innovation Park South Tyrol. Neben der Beratung von Existenzgründern hat der TIS es Unternehmen zudem ermöglicht, sich zu vernetzen, indem – mit dem Ziel, neues Know-how und Technologien zu fördern – Brücken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft geschlagen wurden. Dafür hat der TIS Kooperationen mit den Südtiroler Forschungseinrichtungen initiiert, darunter mit der Freien Universität Bozen, die genau ein Jahr vor dem Gründerzentrum gegründet wurde, Eurac Research, dem Fraunhofer-Institut, dem Versuchszentrum Laimburg und der Südtiroler KlimaHaus Agentur.

„Auch wir sind im TIS gestartet“, sagt Philip Senoner, CEO von Alpitronic, ein Südtiroler Unternehmen, das leistungselektronische Systeme entwickelt. „Das war im Jahr 2009, nachdem ich mich mit meinen drei Partnern entschieden hatte, München zu verlassen, um nach Südtirol zurückzukehren und unser eigenes Unternehmensprojekt zu starten. Das haben wir unter anderem deshalb getan, weil wir wussten, dass wir auf die Unterstützung des Inkubators zählen können.“ Und es entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte – die Financial Times listete Alpitronic neun Jahre nach der Gründung in ihrem Ranking der 1.000 europäischen Unternehmen mit den höchsten Wachstumsraten. „Der TIS hat es uns ermöglicht, uns zu vernetzen und mit den wichtigsten Automobilzulieferern in Kontakt zu treten, mit denen wir dann die Zusammenarbeit begonnen haben. Wir sind schnell gewachsen, zählen nun 40 Mitarbeiter zu unserem Team und sind immer bereit für neue Herausforderungen. Die letzte ist der Hypercharger, eine superschnelle Ladestation für Elektroautos, für die wir Anfragen aus aller Welt erhalten“, erklärt Senoner.

Unterstützt hat das Gründerzentrum insgesamt 137 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 85,7 Millionen Euro 

2016 war die Zeit reif für eine neue Wendung: Der TIS wurde Teil von IDM Südtirol–Alto Adige im NOI Techpark, ein strategischer Standort, an dem Start-ups und Unternehmen Teil einer der innovativsten Communities im Alpenraum werden können. Allein 2017 hat der Business Incubator im neuen Technologiepark in Bozen 31 Start-ups unterstützt. Insgesamt hat er seit seiner Gründung 1998 – wie bereits zuvor erwähnt – 137 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 85,7 Millionen Euro begleitet. Diese Unternehmen besitzen 51 registrierte Patente und zählen 558 Mitarbeiter. Im Schnitt reinvestierten sie 2017 sechs Prozent ihres Umsatzes bzw. 5,2 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. 

Idea Space im NOI Techpark. Foto: Martina Jaider

„Das Herz des NOI Techparks“

„Das Gründerzentrum ist das Herz des NOI Techparks und Heimat für Start-ups, er ist ein Ort, an dem junge Teams wachsen und richtige Unternehmen werden können. Wir verfügen über 20 Jahre Erfahrung, fundierte Kompetenzen und eine ausgeprägte Innovationsfreude, insbesondere in den vier Schlüsselsektoren der Südtiroler Wirtschaft: den grünen Technologien vor allem die Energie, den Alpinen Technologien, den Lebensmitteltechnologien und ICT & Automation. Zutaten, die uns auf gesamtstaatlicher und internationaler Ebene als innovationsfähige Region kennzeichnen und uns im gesamten Alpenraum immer attraktiver machen", sagt Hubert Hofer, der die Anfänge des Inkubators vor 20 Jahren miterlebt hat, und ihn nun als Leiter der Abteilung Development von IDM Südtirol In die Zukunft begleitet.

„Der NOI Techpark ist der perfekte Standort für ein Unternehmen, das sich mit anderen Unternehmen vernetzen und direkten Kontakt zu renommierten Forschungseinrichtungen aufnehmen möchte. Viele der Start-ups, die wir begleitet haben und begleiten, sind stark gewachsen und haben internationale Dimensionen erreicht, andere wurden aufgekauft, was den Wert der Projekte aufzeigt. Allen gemein ist, dass es konkrete Beispiele für erfolgreiche Wege sind, die wir Schritt für Schritt gemeinsam gegangen sind“, ergänzt Petra Gratl, Leiterin des Business Incubators im NOI.

Erfahrung, Wissen und ein strukturiertes Netzwerk

Bestätigt wird die Effizienz des Gründerzentrums auch von einigen Projekten, die derzeit im NOI Techpark inkubiert bzw. vorinkubiert werden. Zum Beispiel 4Peak von Stefan Nicolussi Rossi, der betont: „Als Start-up haben wir viele Ideen, aber wenig Erfahrung und wenige Kontakte. Die Aufnahme in den Inkubator bedeutet, ein strukturiertes Netzwerk nutzen zu können und in eine unternehmerische Dimension versetzt zu werden, die nicht nur lokal, sondern auch international ist.“ Derselben Meinung ist Massimo Caria, CEO von Tooly.tips: „Wir beschäftigen uns mit Software für Hotels und Südtirol mit seiner starken touristischen Ausrichtung ist für uns strategisch – das wird durch den NOI Techpark und die hier gebotenen Dienstleistungen noch einmal verstärkt.“ Und auch Youssef Fitasse, CEO von Chatfit, einer Onlineplattform, die Community bei Sportlern schafft, die gemeinsam trainieren möchten: „Erfahrung, Wissen, Forschungs- und Innovationsfähigkeit – das ist es, was mein Unternehmen zum Wachstum braucht; in einer Einrichtung wie dem NOI kann ich all das finden.“

Im Business Incubator im NOI Techpark haben also eine Vielzahl von Start-uppern und Unternehmern einen Platz gefunden, an dem sie ihre Ideen umsetzen und auf höchstem Niveau in der globalen Innovationslandschaft mitspielen können.

Fact Sheet

Die Leistungen im IDM Business Incubator

Der Business Incubator im NOI Techpark bietet innovativen Start-ups die Möglichkeit, Geschäftsideen zu entwickeln und das eigene Unternehmen so erfolgreich wie möglich am Markt zu positionieren. Der Business Incubator richtet sich an bereits operative Start-ups und Spin-offs in den ersten drei bis fünf Unternehmensjahren.

Um aufgenommen zu werden, ist es nötig, eine Bewerbungsphase zu durchlaufen. Nach der Aufnahme stehen den Unternehmen zahlreiche Dienstleistungen zur Verfügung, wobei für jedes Start-up ein maßgeschneidertes Paket ausgearbeitet wird, das darauf abzielt, den Weg zum Erfolg zu beschleunigen. Zu den Leistungen zählen Tutoring und Coaching, Networking Events, Unterstützung bei der Suche nach Partnern, Investoren und Förderprogrammen, Wettbewerbe, Gespräche mit Experten, Workshops und Trainings sowie Accelerator-Programme. Zudem steht im Erdgeschoss des NOI Techparks ein Maker Space für die Erstellung von Prototypen zur Verfügung. Angehende Gründer können dagegen den Idea Space im NOI nutzen. Der Idea Space bietet nicht nur flexible Arbeitsplätze und Meeting Räume, sondern auch ein vielseitiges Kursprogramm, Services, Beratungen von Fachleuten und eine Community, in der sich die Teams untereinander austauschen und gegenseitig unterstützen können.